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Familienunternehmen investieren in die Zukunft 

Foto: Unsplash
22.11.2023
Arbeitskreis bespricht Unternehmensprojekte zur Fachkräfteförderung/ Wichtige Bausteine sind die Anerkennung von Berufsqualifikationen und die internationale Zusammenarbeit im Bildungsbereich

In der Sitzung des Ost-Ausschuss-Arbeitskreises Fachkräftesicherung am 22. November standen unternehmensfinanzierte Projekte zur Fachkräfteförderung, eine erleichterte Anerkennung von Berufsqualifikationen durch das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz sowie die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit im Mittelpunkt. 

Zu Beginn der von dem Arbeitskreissprecher Enrico Rühle geleiteten Sitzung wurden Projekte der Unternehmen Claas und GP Papenburg zur Gewinnung von Fachkräften in Ungarn, Kasachstan und Usbekistan vorgestellt. 

Antje Kunkies, Senior Vice President Global Human Resources I BU SPH & SU Manufacturing, berichtet über die internationale duale Berufsausbildung und Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Claas. Investitionen in Forschung und Entwicklung spielen dabei eine große Rolle. Das Claas-Werk in Törökszentmiklós/Ungarn sei hier führend. Die dort seit 2014 erfolgreich laufende technische Ausbildung wird seit dem laufenden Jahr durch eine Kooperation mit der Universität in Kecskemét und die Entwicklung dualer Studiengänge für Ingenieurwesen und Logistik ergänzt. Basierend auf den Erfahrungen des Unternehmens wird zudem ein duales Berufsbildungszentrum im Joint Venture CT Assembly in Kasachstan aufgebaut. Ein weiteres deutsches Unternehmen soll dort als Ausbildungspartner eingebunden werden, wodurch sich weitere Chancen für alle Beteiligten ergeben würden.

Chancen für die Fachkräftegewinnung in Usbekistan

Usbekistan ist für viele Unternehmerinnen und Unternehmer angesichts des Potenzials für Projekte, unter anderem in den Branchen Energie, Rohstoffe und Logistik ein attraktiver Standort. Usbekistan ist mit seiner jungen Bevölkerung sehr an der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften interessiert, wodurch sich gute Chancen für deutsch-usbekische Initiativen ergeben. Jährlich treten rund 700.000 junge Menschen in den usbekischen Arbeitsmarkt ein. 

Angela Papenburg, Vorstand der GP Papenburg AG, kennt das bevölkerungsreichste Land Zentralasiens sehr gut und setzt sich aktiv und pragmatisch für die Entwicklung von Fachkräfteprojekten ein. 2019 knüpfte sie erste Kontakte zu Kooperationspartnern, darunter ein Sprachzentrum in Andijon. Seit 2020 läuft auch in Deutschland bei GP Papenburg ein Projekt für usbekische Auszubildende, trotz gewisser Anlaufschwierigkeiten aufgrund der Pandemiejahre. Das Unternehmen muss aber auch eine Reihe weiterer Herausforderungen meistern, dazu zählen behördliche Genehmigungen, die Unterstützung der Auszubildenden im Alltag in Deutschland und deren Integration ins Team.

Anerkennung von Berufsqualifikationen 

Das wachsende Interesse an einer vertieften Zusammenarbeit zeigt sich bei den Anträgen auf Anerkennung von Abschlüssen aus Usbekistan. Von bislang über 600 Anerkennungsanträgen seit dem Jahr 2012 wurden 264 Anträge allein im Jahr 2022 gestellt, berichtete Vira Bushanska, Expertin für die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Frau Bushanska gab wichtige Einblicke in die aktuellen Regelungen zur Fachkräftezuwanderung und den Prozess der Anerkennung von Berufsabschlüssen. Die Zuwanderung von Fachkräften sei weitgehend von einer Anerkennung entkoppelt, in reglementierten Berufen sei sie jedoch zwingend erforderlich. Auch im nicht-reglementierten Bereich bringe eine Anerkennung Vorteile mit sich, dazu gehörten eine größere Flexibilität und Unabhängigkeit, eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine qualifikationsadäquaten Beschäftigung sowie bessere Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten für die Fachkräfte.

Blick nach Mittel- und Südosteuropa

Auch in Mittel- und Südosteuropa ist die Fachkräftesicherung und -förderung für die vor Ort tätigen Unternehmen von zentraler Bedeutung. Tobias Bolle, Referatsleiter Berufliche Bildung im Ausland bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), beschrieb einige Projekte in der Region, die als beispielhaft für die Entwicklung der dualen Ausbildung gelten, darunter Initiativen in Rumänien, Slowakei und Ungarn. Bolle bedankte sich zudem beim Ost-Ausschuss für die enge Zusammenarbeit 2023 und erinnerte an die im Rahmen des Arbeitskreises vorgestellte Studie der Stiftung Familienunternehmen, die erstmals das Engagement von Familienunternehmen als Ausbildungsbetriebe in Mittel- und Osteuropa (MOE) untersuchte. Die Studie wurde vom Ost-Ausschuss, der DIHK und den AHKs unterstützt. Weiterführende Informationen dazu finden Sie hier. 

Petya Hristova
Leiterin AK Fachkräftesicherung

Ansprechpartner

Petya Hristova
Leiterin Kontaktstelle Hamburg
Fachkräftesicherung
Gesundheitswirtschaft
T. +49 30 206167-155
P.Hristova@oa-ev.de

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